Dienstag, 6. März 2007

Wie eine Motte das Licht

Er sieht sich um. Ein seltsames Museum, eine Galerie? Ein Tempel? Was ist dieser Ort? Er steht in einem Gang. Es gibt keine Fenster, keine Lampen. Nur seine Schritte hallen in dem langen Gang wieder. Ohrenbetäubende Stille. Was bedeutet das, was er sieht? Es fröstelt ihn. Diese Bilder sehen eher aus wie Plastiken, wie Erinnerungen. Hier der Streit mit dem Vater, damals in der Küche beim Frühstück. Der Moment in dem er durch eine heftige Geste die Milchflasche vom Tisch gefegt hat. Sein Gesicht vom Zorn verzerrt. Die Milch im herausspritzen eingefroren. Er beugt sich über das Geländer, fährt mit einem Finger durch die weiße Flüssigkeit. Sie schmeckt sauer. Ist ja auch alles schon so lange her. Hier die Umarmung der großen Schwester beim Ausziehen von zu Hause. Sie hat wirklich geweint. Er hatte längst die Bedeutung dieser Erinnerung vergessen. Seine Schritte hallen in dem langen Flur wieder. Langsam schreitet er jedes Bild ab. Kalter Staub. Trotzdem atmet er ruhig und tief. Er kennt diesen Geruch. Zu Hause. Er hasst diesen Geruch, Zu Hause.
Der Gang macht einen Knick und wird niedriger und dunkler. Die Bilder sind hier unvollständig, Schatten wo Gesichter sein sollten, Dunkelheit an den wichtigen Stellen. Die Bilder sind verzerrt und verdreht. Unwirklich, entstellt. Ein Bild zeigt eine Person. Er kann ihr Gesicht nicht erkennen. Die Person schwitzt. Kalter Schweiß. Schmerzen. Sie steht vor einem Bett. Er fragt sich nicht wer in diesem Bett gelegen haben mochte. Er geht weiter. Seine Schritte werden dumpfer. Am Ende des Ganges ein Licht. Weiß und warm. Blendend. Es zieht ihn an. "Wie eine Motte das Licht", denkt er.

Keine Kommentare: