Keine Tore in der zweiten Halbzeit. Das Stadion lehrt sich schnell. Wir essen und trinken noch etwas im VIP-Zelt. Mein Freund bringt mich mit dem Auto zurück. Ich möchte nicht mit den Bahnfahrern tauschen.
Exiting_Dark
Sonntag, 25. Februar 2007
Eis-ern Union
Bitterkalt fegt der Wind den Bahnsteig Gesundbrunnen entlang. Ich habe meine Handschuhe vergessen. Ich versuche mir eine Zigarette mit meinen steifgefrorenen Fingern zu drehen doch vergebens. Was mir im Moment an Fingerspitzengefühl fehlt wird durch den vom Wind immer wieder weggeblasenen Tabak nicht besser. Um mich herum stehen rotnasige Gestalten. Alle frieren. Jeder geht ein wenig auf und ab. Es wird Zeit, dass die Bahn kommt. Es hat etwas Endzeitliches hier zu stehen. Der Eisregen knistert auf dem Wellblechdach. Schließlich kommt die S-Bahn. Ich steige ein und bleibe stehen, keine Plätze mehr frei. Ostkreuz muss ich umsteigen. Ein Penner steigt ein und keiner beneidet ihn um die Freiheit, die er hat. Ostkreuz ist noch windiger, noch misanthroper. Ich rufe meinen Freund an. Wir wollen uns am Stadion der Freundschaft treffen. Es ist bereits dunkel als ich in Köpenick eintreffe. Mit eingezogenem Kopf laufe ich der Menschenmenge zum Stadion hinterher. Wir haben VIP-Karten. Ich bin kurz vor dem Anpfiff da. Das erste Tor fällt, kaum 2 Minuten später. Begeisterung. Zwischenrufe von unserer, der Ehrentrebüne. Auch hier ist der Wind fast unerträglich. Wir haben kaum Zeit uns zu begrüßen. Ich möchte nicht mit den Leuten auf der Stehtrebüne tauschen. Weitere Tore fallen. Union führt 4:0. Ich möchte nicht mit den Spielern tauschen. Ich friere bitterlich. Halbzeit. Schnell einen Glühwein und was essen. Ist ja umsonst. Zweite Hälfte. Die Menschen werden ruhier, fast wie wechselwarme Tiere. Das klatschen ermattet in dieser Kälte, die Zurufe werden seltener. Nur, wenn der Stadionsprecher ruft, ein aufbäumen der Masse "Eisern Union! - Eisern Union! - Eisern Union!".
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