Berlin.
Berlin, was ist das eigentlich?
Ich wohne jetzt schon mein ganzes Leben in und um Berlin. Trotzdem habe ich mir bisher erstaunlich wenig Gedanken gemacht, über die Gegend in der ich lebe über den Unabstreitbaren Reiz den das urbane Umfeld auf mich hat. Ich versuche zu ordnen und Frage mich: Was macht dies Berlin für mich aus?
Ich schreibe Listen, ungeordnet:
-groß
-schmutzig
-Charme
-Viertel
-Schnauze
-Dampf
-Bewegung
-Flicken
- usw.
Ich versuche ein Bild für Berlin zu finden, doch das ist nicht leicht.
Ein bisschen ist Berlin wie der große, korpulente Freund, den man schon so lange kennt, dass man garnicht mehr genau weiß woher das noch mal kam. Dieser Freund, mit seinen ständig dreckigen Hosenbeinen und dem ständigen verschmitzten Grinsen im Gesicht. Der Freund, der sich damals für dich auf dem Schulhof geprügelt hat, weil dich jemand gekränkt hat. Wir wissen beide wer wir sind und nur ich weiß, da ich sein bester und längster Freund bin, dass er viel klüger und Facettenreicher ist, als es nach außen hin den Anschein hat. Sicher, auch er hat seine Fehler und seine Macken. Aber das macht ihn mir noch lieber und mir ist klar, dass er in seinem riesigen raubeinigen Körper ein noch größeres Herz steckt.
Berlin erinnert mich oft an mein Kinderzimmer. Es ist viel Platz da, aber jede Ecke und jeder Bereich ist für sich eine kleine eigene Welt. Hier wird nichts weggeräumt, sondern darauf aufgebaut. In unendlich kleinen Nischen findet sich noch Platz für jede Idee, für eine Welt aus vielen kleinen Träumen. Alle mit eigenem Charackter und eigenem Charme. Es ist kein großes Ganzes, sondern ein kleines Vieles.
Manchmal ist Berlin auch wie eine Geisterstadt. Immer dann wenn ich zur Arbeit fahre und die Spitze des Fernsehturms bereits von den Wolken verschluckt worden ist, wenn es regnet und ich in die triste Welt meiner Hintehofpaterrewohnung schaue, immer dann Wenn es im Sommer so heiß ist, dass ich mich zu nichts aufraffen kann und alle anderen bereits fort gegangen sind. Oder wenn ich betrunken aus der U-Bahn aussteige und diese kompakte Stille des nächtlichen U-Bahnhofs erlebe, in der einem schon fast die Ohren schmerzen.
Berlin ist vielfältig und lässt sich wohl nicht auf ein Bild reduzieren. Die Komplexität dieses Gebildes macht es nicht einfach ein "Berlin-Gefühl" zu beschreiben. Jeder findet hier etwas für sich. Vielleicht gibt es kein universelles "Berlin-Gefühl", keine allgemeingültige Definition für das Gebilde, sondern jede Ansicht über Berlin und es sei jedem gestattet auch mehrere zu haben, stimmt weil die Perspektive das Bild macht - und nicht umgekehrt.
Exiting_Dark
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